Politik und Tierschutz
 
Dass Tierschutz in der Politik mehr Beachtung finden sollte, ist ein Anliegen von Bündnis90/Die Grünen. Um sich ein genaues Bild über die Tierschutzarbeit vor Ort machen zu können, besuchten vergangenen Montag der Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen Thomas Poreski in Begleitung von Beate Müller-Gemmeke, Mitglied des Deutschen Bundestages, das Reutlinger Tierheim.
 
Reichlich Zeit hatten die Gäste mitgebracht, die vom ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins Reutlingen, Herbert Lawo, begrüßt wurden. So hatte man bei der Führung durch das Tierheimgelände und dem anschließenden Gespräch die Gelegenheit, auf die Probleme und Aufgaben im Tierschutz - auch außerhalb des Tierheimes - einzugehen.
Landtagskandidat Bündnis90/Die Grünen Thomas Poreski, erster Vorsitzende Tierschutzverein Reutlingen Herbert Lawo, Mitglied des deutschen Bundestages Beate Müller-Gemmeke bei der Besichtigung des Reutlinger Tierheims
Dass in den letzten Jahren die Zugänge in Tierheimen immer mehr werden, begründet Lawo zum einen durch finanzielle Hintergründe bei Tierhaltern als auch durch Zeitprobleme, die häufig als Grund bei der Abgabe genannt werden. Allein im Jahr 2010 verzeichnete das Tierheim einen Zugang von 2.000 Tieren, die hier aufgenommen wurden. Während die Zahl der Hunde und Katzen kaum Veränderungen zeigt, steigt die Zahl der abgegebenen Kleintiere deutlich an. Häufige Ursache ist mangelnde Fachkunde des Verkaufspersonals in Bau- und Gartenmärkten, die unwissentlich bereits trächtige Tiere vermitteln oder auch Tiere verschiedenen Geschlechts gemeinsam vermitteln, so dass es zu unkontrollierter Vermehrung kommen kann. Den arglosen Besitzern bleibt da oft nur der Weg ins Tierheim, da sie mit dem Nachwuchs oft überfordert und allein dastehen. Zustimmung erhielt Lawo auch für die Feststellung, dass Tiere viel zu leicht ohne die entsprechenden Voraussetzungen der Haltung oder Sachkunde vorweisen zu müssen. Die Grünen versprachen, sich dafür einzusetzen, dem einen Riegel vorzuschieben. Auch die so genannten Animal Hoarding Fälle, bei denen Tiere durch falsch verstandene Tierliebe in großer Zahl gesammelt werden, häufen sich. Die Tierhalter solcher Animal-Hoarding-Fälle sind oftmals mit der Betreuung und Pflege überfordert, erkennen aber selber nicht mehr die Grenze zur Tierquälerei. Das Reutlinger Tierheim hat erst kürzlich wieder 15 Meerschweinchen aus einem solchen Fall aufgenommen. Viele der weiblichen Tiere waren bereits trächtig. „Leider gibt es bislang rechtlich keine Möglichkeit, vorbeugend dagegen vorzugehen“, beklagte Lawo, „sondern erst dann, wenn es bereits zu spät ist.“
Eine Möglichkeit, dem Tierschutz eine gewichtigere Stimme zu geben, könnte nach Ansicht von Thomas Poreski und Beate Müller-Gemmeke in der Einrichtung eines unabhängigen Tierschutzbeauftragten in der Landespolitik sein. Auch das Verbandsklagerecht für seriöse Tierschutzorganisationen steht für sie außer Frage. Nur so wäre es möglich, dass nicht nur Tiernutzer, sondern auch den Tieren, vertreten durch die Tierschutzverbände, Rechte geltend machen könnten.
 
Tierschutz ist zwar nicht der politische Arbeitsschwerpunkt der beiden Besucher,  trotzdem sind beide sehr daran interessiert, immer wieder auch andere Bereiche an der Basis zu verfolgen. Deshalb waren die beiden Politiker auch nicht zum ersten Male im Reutlinger Tierheim. Großen Respekt zollten beide dem enormen ehrenamtlichen Einsatz der Tierschützer hier in der Region. Ohne dieses Engagement stünde es um den karitativen Tierschutz im Lande schlecht, sind sie überzeugt. Angetan war der Landeskandidat Poreski vor allem von den Katzen, kein Wunder, schließlich besitzt er selber welche. Den Samtpfoten im Tierheim jedenfalls schienen die Streicheleinheiten zu gefallen.
 

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