Rettungsaktion von knapp 40 Katzen in einem Messie-Haushalt bringt Reutlinger Tierheim an den Rand seiner Kapazitäten
 
Vergangenen Donnerstag wurde das Tierheim Reutlingen zu einem tragischen Fall von tierwidriger Haltung auf der Schwäbischen Alb gerufen. Das Veterinäramt des Landratsamtes Reutlingen sowie ein Aufgebot von Polizei und Feuerwehr waren vor Ort, um bei einer dramatischen Rettungsaktion Katzen aus dem vermüllten Haushalt zu bergen.  
 
Schon am Eingangsbereich schlug uns ein beißender Gestank entgegen“, erzählt eine Tierheimmitarbeiterin, die an der Aktion teilgenommen hat. „Dass dort ein Mensch mit seinen Haustieren lebt, kann man sich kaum vorstellen.“ Den Einsatzkräften von Tierheim und Veterinäramt bot sich ein Bild des Grauens. Die Tierhalterin und ihre Katzen lebten dort unter erbärmlichen Umständen. Alle Räume waren mit Kot und Urin verdreckt, in den einzelnen Räumen mussten Berge von Kleidung und Müll beiseite geräumt werden, um überhaupt an die Tiere heranzukommen. Hinzu kam ein erbärmlicher Gestank, der die Arbeit erschwerte. Die alleinstehende 74-jährige war offensichtlich mit der Situation überfordert und hatte den Überblick über das ganze Ausmaß verloren.
Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Veterinäramtes, konnten die Tierschützer insgesamt 38 Katzen einfangen. Alle waren mit Flöhen übersät und hatten starken Ohrmilbenbefall, zwei Katzenwelpen waren so geschwächt, dass sie im Tierheim eingeschläfert werden mussten. Eine tragende Kätzin brachte am Wochenende im Tierheim vier Junge zur Welt.
Die Tiere werden im Tierheim tierärztlich versorgt und soweit möglich kastriert.
„ Das krankhafte Sammeln von Tieren, das sogenannte Animal Hoarding, ist in den USA eine anerkannte psychische Erkrankung. Was mit wenigen Tieren und meist missverstandener Tierliebe beginnt, endet immer häufiger in einem Drama für Tier und Mensch“, so die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Reutlingen, Birgit Jahn. „Wir sind gerade jetzt in den Sommermonaten mit den verspäteten Jungkatzen, den Abgabe- und Fundtieren sowie den Pensionstieren an unsere Kapazitäten gekommen. Nun können wir nur hoffen, dass wir für die Tiere so schnell es geht ein neues Zuhause finden“, so Jahn weiter. Die Kosten für das Einfangen und die Abholung der Tiere, sowie für die klinische Aufnahmeuntersuchung und notwendige Impfungen/Wurmkuren werden vom Landratsamt Reutlingen getragen. Die Unterbringungskosten sowie alle nachfolgenden Behandlungen muss das Tierheim alleine stemmen. Vor zwei Wochen erst wurde das Tierheim durch den Hagelsturm schwer getroffen.

Zwei der geretteten Katzen nach ihrer Aufnahme im Tierheim

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