Pressemitteilung vom 09.05.2007

 

Hände weg von Jungvögeln

 

Jungvögel werden oftmals aus falscher Tierliebe oder Unkenntnis eingesammelt. Das Reutlinger Tierheim erhält zurzeit wieder Hilferufe wegen außerhalb von Nestern aufgefundener Jungvögel oder auch Entenküken; manche dieser Vögel werden direkt im Tierheim abgegeben. Für einige der eingesammelten jungen Vögel bedeutet das Wegnehmen vom angestammten Platz, dass sie trotz aller erdenklichen Hilfe nicht überleben werden. 

Viele Jungvögel verlassen ihr Nest bereits bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. Obwohl sie dann recht hilflos wirken, sind sie in den seltensten Fällen von ihren Eltern verlassen. Sie werden trotzdem weiterhin von den Elterntieren versorgt und bewacht, auch ohne dass diese in der allernächsten Umgebung sind. Zudem brauchen Jungvögel zwischen ihren ersten Flugversuchen auch immer wieder Erholung und werden dann nicht gleich – wie eigentlich erwartet – wegfliegen, wenn sich Menschen nähern.

Werden junge Vögel außerhalb eines Nestes angetroffen, sollte zunächst geklärt werden, ob in näherer Umgebung das zugehörige Nest zu finden ist. Der Vogel kann dann aufgegriffen und gegebenenfalls dorthin zurückgesetzt werden; andernfalls sollte er zur Seite aus der Gefahrenzone von Fahrzeugen, Katzen und Fußgängern gebracht und in Ruhe gelassen werden. Vogeleltern stören sich nicht am menschlichen Geruch, der beim Anfassen der jungen Vögel hinterlassen wird.

Auch bei Entenküken sollte zunächst die Umgebung nach der Entenmutter abgesucht werden, sie wird sich dann i. d. R. auch um ihre Kinder kümmern. Ein Einfangen ist dann am ehesten erforderlich, wenn sich eine Entenfamilie weit weg von Gewässern in bebaute Gegenden verirrt hat bzw. wenn sie sich in verkehrsreicher Umgebung befindet; ob auch die Entenmutter auffindbar ist, sollte stets gesichert geklärt werden. Die scheinbar hilflosen Jungtiere sollten in jedem Fall – wenn sie nicht verletzt erscheinen – zunächst einige Zeit beobachtet werden und zwar so, dass sich die Tiere nicht gestört fühlen müssen. Manchmal werden Jungtiere von ihren Eltern auch mehrere Stunden alleine gelassen. Nur bei erkennbar verletzten, ausgehungerten, unterkühlten oder völlig durchnässten Jungtieren bzw. wenn sich tatsächlich kein Elterntier um die Kleinen kümmert, kann es geboten sein, die Tiere in menschliche Obhut zu nehmen. Vor dem Wegnehmen der Tiere aus ihrer Umgebung kann zunächst im Tierheim angerufen und dort Rat geholt werden. Bei erkennbar verletzten Tieren ist selbstverständlich schnelle Hilfe erforderlich. In diesem Fall ist sicher jeder als nächstes erreichbare Tierarzt bereit zu helfen. Diese Hinweise gelten ebenso für aufgefundene junge Feldhasen, Rehkitze oder Füchse.

Vorbeugend ist es natürlich immer geboten, Vögel ungestört brüten zu lassen, das heißt sich in solcher Umgebung äußerst vorsichtig und rücksichtsvoll zu bewegen.            


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