Nachruf für Kim
 
Kim lebt nicht mehr. Er musste eingeschläfert werden, denn ein Milztumor war stärker als er. Ein neues Zuhause zu finden hat er nicht geschafft. So starb er im Tierheim, ohne jemals ein glückliches Leben geführt zu haben. Da uns sein Leben sehr nahe ging, wollten wir Ihm zu Ehren einen Nachruf widmen.
Seine Geschichte begann damit, dass Kim von seinem ehemaligen Besitzer alleine im Zwinger zurückgelassen wurde und dank der späteren Beschlagnahmung des Veterinäramtes dem Tierheim Reutlingen zugeführt werden konnte. Sein Verhalten uns gegenüber deutete auf starke Misshandlungen sowie Schläge und Tritte in seinem früheren Zuhause hin. Doch gegen seinen eigenen Herrn hat er sich nie gewehrt. So wie viele Hunde seinen Menschen Treu ergeben sind, hat auch Kim all die Qualen seines Lebens erduldet. Es grub sich eine tiefe Angst und Traurigkeit in Kim’s Herz. Gutes hat er, wenn überhaupt, nur selten erlebt. Dann ließ ihn sein Herrchen auch noch zurück in seinem Zwinger, ohne Wasser und Futter. Als Kim 2006 ins Tierheim kam, war er misstrauisch gegenüber Fremden, hatte Angst, angefasst zu werden. Die Tierpflegerinnen ließen ihm Zeit, sie forderten ihn nicht und drängten sich nicht auf. Er hatte keine Probleme damit, wenn man zu ihm in den Zwinger ging, auch im Auslauf duldete er die Menschen, nur die panische Angst von ihnen angefasst zu werden, saß tief in ihm drin. Doch eines Tages lernte er einen neuen Freund kennen, einen Menschen, dem das Leben auch nicht immer gut mitspielte. Der neue Freund hieß Johannes und die beiden verband bald eine tiefe Freundschaft. Johannes meinte es gut mit Kim, immer wenn er morgens kam, verbrachte er viel Zeit mit ihm. Er spielte mit Kim, ging mit ihm Gassi und er konnte ihn anfassen, wenn auch anfangs nur bedingt. Jeden Morgen stand Kim da und wartete auf ihn und abends konnte er es kaum erwarten, dass er ihn am nächsten Tag wieder sehen konnte. Doch Johannes kam eines Tages nicht mehr. Wie wir später erfuhren, starb Johannes an einer Krankheit. Für Kim war das Fernbleiben seines Freundes ein herber Verlust. Um ihm etwas Ablenkung zu geben, durfte er von nun an morgens ins Büro. Die Kollegin, die ihn hier betreute, kümmerte sich liebevoll um Kim. Morgens kam sie früher, um mit ihm zu laufen und abends begleitete sie ihr Mann mit zu den alltäglichen Gassirunden. Zwei Hundepflegerinnen des Tierheims nahmen ihn sogar für 5 Tage mit an die Ostsee, als sie ein Tierseminar in Weidefeld besuchten. Es war der einzige und zugleich auch schönste Urlaub, den Kim je erleben durfte. Hier war er wie ausgewechselt, ein völlig anderer Hund. Auch als Bürohund merkte er bald die Annehmlichkeiten zu schätzen. Er genoss sein neues Dasein und konnte sein Glück kaum fassen. Kim hatte viele Freunde gewonnen, die ihn ins Herz schlossen und versuchten, ihn von seinem früheren Leben abzulenken. Dann kam der Moment, in dem er nichts mehr aß, wo er nicht mehr aufstehen wollte. Da man ihn nicht ohne weiteres behandeln konnte, musste er mit einem Blasrohr in Narkose gelegt werden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass Kim einen Milztumor hatte, der bereits im Endstadium war. Wir ließen ihn nicht mehr aufwachen und mussten uns von ihm verabschieden. Seine Geschichte hat uns sehr berührt und sein Nachruf soll stellvertretend für alle anderen Vierbeiner stehen, die auch kein Zuhause mehr fanden und im Tierheim sterben mussten.

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