Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr
 
Am Freitag, den 8. Mai 2009, trafen sich Mitglieder des Reutlinger Tierschutzvereins zur jährlichen Hauptversammlung. Nach den einzelnen Berichten der Vorstände über ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2008 wurden gleich fünf  Mitglieder des Tierschutzvereins mit der Ehrennadel des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Baden-Württemberg in Silber ausgezeichnet.
 
„Wir können uns entspannen, weil unser Geschäftsbericht positiv ausfällt“, sagte Herbert Lawo zu Beginn seines Geschäftsberichtes. Wie das auch unter schwierigen Umständen gehen kann, zeigte der erste Vorsitzende anhand von lustigen Katzenfotos sehr anschaulich und zur Freude der ca. 30 Mitglieder, die am vergangenen Freitag ins Tierheim gekommen waren. Durch die Vermächtnisse einiger verstorbener Mitglieder habe der Reutlinger Tierschutzverein einen finanziellen Überschuss erwirtschaftet, der in verschiedene Projekte geflossen sei, vor allem in das neu sanierte Kleintierhaus, so Herbert Lawo.

Doch nicht nur die wirtschaftliche Situation beeindruckt, auch das Engagement der Tierschützer war vielfältig und umfangreich: Im Rahmen der politischen Tierschutzarbeit beteiligte sich der Reutlinger Tierschutzverein unter anderem an Aktionen für artgerechte Haltung so genannter „Nutztiere“. So werden männliche Ferkel kastriert, um  das Entstehen des typischen Ebergeruchs zu vermeiden. Dies geschieht ohne Betäubung, die Ferkel erleiden während und nach der Prozedur große Schmerzen. Aus wirtschaftlichen Gründen wird eine Betäubung unterlassen, obwohl der maximale Mehraufwand etwa 5 Cent pro kg Fleisch bedeuten würde. Auch das Leiden der Hennen in ihren Käfigen hat noch kein Ende: In den neuen Kleingruppenkäfigen, die seit Januar 2009 die bisherigen Käfige ablösen, haben die Tiere statt bisher 550 nun 800 Quadratzentimeter Platz – also etwas mehr als eine DIN A4-Seite.
 
An diesen Beispielen wird deutlich, dass das politische Engagement im Tierschutz oft genug ein zähes Ringen bedeutet, doch in einigen Punkten hat es sich bereits ausgezahlt: So trat ab dem 31.12.08 das Verbot der Einfuhr von Hunde- und Katzenfellen in Kraft, die Europäische Kommission hat im November 2008 den ersten Entwurf einer neuen Richtlinie für Tierversuche veröffentlicht und der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk leitete auf Empfehlung des Landesbeirats für Tier­schutz eine Bundesratsinitiative zur gewerblichen Hal­tung von Kaninchen ein. „Die Mitarbeit im Landesbeirat ist wichtig, um mit den Belangen des Tierschutzes in der Politik ständig präsent zu sein“, betonte Herbert Lawo.
Weitere  Aufklärungsarbeit wurde in der Tierschutzzeitung, in Pressemitteilungen und Kampagnen  geleistet. „Rassetauben als Glücksbringer – Hochzeitswünsche mit tödlichem Beigeschmack“ lautete eine der zahlreichen Pressemitteilungen, die der Verein herausgegeben hat. Die Erklärung wurde Deutschland weit publiziert und zeigt auf, dass weiße Zuchttauben, die bei Hochzeiten tierschutzwidrig eingesetzt werden, in Freiheit nicht überleben können. Mit einem Igelinfotag reagierte das Tierheim auf die im Herbst eingehenden unzähligen Anfragen aus der Bevölkerung, wie mit den stacheligen Gesellen umzugehen sei. Beim Aktionstag „Stoppt die Affenschande in Tübingen“ beteiligten sich Mitglieder des Tierschutzvereins stellvertretend für den Landestierschutzverband mit einem Infostand gegen die Primatenversuche an Tübinger Instituten.
Die Zusammenarbeit mit anderen Tierschutzorganisationen, Dachverbänden und Tierheimen war in diesem Jahr besonders intensiv. Vor allem die zunehmende Zahl von „animal hoarding“- Fällen veranlasste die Tierheime, sich gegenseitig zu unterstützen. Auch das Tierheim Reutlingen übernahm im vergangenen Jahr zahlreiche Tiere aus Haltungen, die aufgelöst werden mussten, weil die Besitzer krankhaft sammelten. „Wir beobachten ein Ansteigen dieser Fälle, die die Tierheime zunehmend belasten“, erklärte Herbert Lawo.
Der Tierschutzverein Reutlingen  engagiert sich natürlich insbesondere für den Tierschutz im Landkreis Reutlingen. Dies spiegelt sich in den Tierzahlen des Jahres 2008: Etwa 1.650 Tiere fanden Hilfe und Fürsorge bei den 15 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Die Verwahrtage summierten sich auf knapp 66 000. Die meisten betreuten Tiere konnten an verantwortungsvolle Menschen vermittelt werden. Annähernd 800 durchgeführte Kastrationen im Tierheim helfen, Tierleid schon vor der Entstehung zu vermeiden. Diese professionelle Tierschutzarbeit konnte nur durch den überdurchschnittlichen Einsatz  kompetenter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geleistet werden, die zudem von einer Vielzahl ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer unterstützt werden. Deshalb bedankte sich Herbert Lawo bei ihnen besonders, ebenso bei seinen Mitstreiterinnen im Vorstand, dem Beirat und bei den Kassenprüfern. Traditionsgemäß wurden beispielhaft einige besonders „Verdiente“ hervorgehoben und mit einem besonderen Präsent bedacht. Dies waren für seine langjährige Mitarbeit als Kassenprüfer Manfred Zimmermann, Heidi Renner stellvertretend für die Küchenhelfer bei Veranstaltungen, die Gruppe „Sportliche Betätigung mit und für Hunde aus dem Tierheim“, Tobias Ziegler für seine flexible Aushilfstätigkeit und Sonja Merkle für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Der Tierschutzverein ist auch als Ausbildungsbetrieb tätig: Nina Herzog und Maja Lewak haben im Sommer 2008 ihre  Ausbildung zur Tierpflegerin erfolgreich abgeschlossen.
Iris Großmann, Fachbeisitzerin im Vorstand und Koordinatorin der Gruppe Ehrenamtlicher, die sich mit der Bearbeitung von Tierschutzfällen beschäftigt, berichtete von 138 Tierschutzmeldungen, die 2008 neu zu bearbeiten waren.
Ein weiterer, wichtiger Pfeiler des Vereins ist die Jugendarbeit. Die zweite Vorsitzende Erika Schwarz berichtete von zahlreichen Aktivitäten der neuen Jugendgruppe, die sich 14-tägig samstags trifft. Auch Tierheimführungen für Schulklassen werden rege in Anspruch genommen, und das Interesse an einem Praktikum für die Tierpflegerausbildung ist groß.
Am Ende seines Geschäftsberichtes informierte Herbert Lawo über die Ereignisse im Jahr 2008 und gab einen Ausblick auf die kommenden Aktivitäten des Tierschutzvereins. Hervorzuheben ist dabei die Verleihung der silbernen Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für Helga Pokorni. Sie wurde von Staatssekretär Dieter Hillebrand für den ehrenamtlichen Notdienst ausgezeichnet, den sie seit 15 Jahren neben ihrer Arbeit als Mitarbeiterin des Tierheims Reutlingen leistet.
Erika Schwarz informierte ausführlich über die gelungene Sanierung des Kleintierhauses, das seit einigen Wochen wieder in Betrieb ist und bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen haben.
Es folgte die Ehrung einiger Mitglieder, die durch vorbildliches ehrenamtliches Engagement den Tierschutz auch über den Verein hinaus mitgeprägt haben. Volker Stutz, der zweite Vorsitzende des Landestierschutzverbandes, zeichnete Gudrun Walker für ihr über 25-jähriges und Iris Großmann, Karin Herzog, Alexandra Bailer und Alexandra Rahn-Schall für ihr mehr als 20-jähriges Engagement und ihre Verdienste um den Tierschutz mit der silbernen Ehrennadel des Landestierschutzverbandes aus. Ebenso beglückwünschte Volker Stutz den Vorstand und die Mitglieder des Tierschutzvereins Reutlingen für ihre hervorragende Arbeit und überreichte eine Geldspende für die Jugendarbeit und Buchgeschenke für die Tierheim-Bibliothek.
In ihrem Kassenbericht konnte Schatzmeisterin Gudrun Walker Positives vermelden: Trotz der Kosten für die Sanierung des Kleintierhauses in Höhe von 235.000 Euro wurde ein Gewinn von rund 72.000 Euro erwirtschaftet. Nachdem die Kassenprüfer Manfred Zimmermann und Christian Schimke eine einwandfreie Buch- und Kassenführung bescheinigt hatten, wurde die Vereinsleitung einstimmig entlastet. Manfred Zimmermann gab sein Amt als Kassenprüfer aus persönlichen Gründen auf. Herbert Lawo dankte ihm für seine langjährige kompetente Mitarbeit und wünschte ihm alles Gute.
Mit der silbernen Ehrennadel des Landestierschutzverbandes geehrt: (von links) Iris Großmann, Gudrun Walker, Alexandra Bailer, Karin Herzog, Alexandra Rahn-Schall.

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