Politische Prominenz zu Besuch im Reutlinger Tierheim
 
Staatssekretär Dieter Hillebrand war zu Besuch im Reutlinger Tierheim. Begleitet wurde er von seiner Kollegin Melanie Huml, Staatssekretärin und Mitglied des Landtags der CSU in Bayern. Sie wollten sich über die Tierschutzarbeit vor Ort informieren.
 
Staatssekretär Dieter Hillebrand - im Tierheim als Besucher bereits gut bekannt - ließ es sich nicht nehmen, mit seiner bayerischen Amtskollegin im Rahmen deren Besuchs in der Region Reutlingen auch das Reutlinger Tierheim zu besuchen. Staatssekretärin Huml, die in Bayern auch für die Belange des Tierschutzes zuständig ist, zeigte sich gut informiert über baden-württembergische Besonderheiten auf diesem Gebiet.
Herbert Lawo, Vorsitzender des Tierschutzvereins Reutlingen führte die Gäste durch die Räumlichkeiten des Tierheims und erläuterte die Arbeiten, die hier täglich durchgeführt werden. Neben 15 (meist in Teilzeit) Angestellten legt der Tierschutzverein großen Wert auf die Ausbildung von Jugendlichen. Zurzeit lernen drei Auszubildende den Beruf zum Tierpfleger. Da das Tierheim sechs Tage die Woche geöffnet hat, bedarf es neben den hauptamtlichen Mitarbeitern auch vieler ehrenamtlicher Helfer, damit die Versorgung der Tiere an allen Tagen gewährleistet werden kann. Im Kleintierhaus, das 2009 nach großer Sanierung neu eröffnet wurde, konnte sich Staatssekretärin Huml ein Bild von der Unterbringung sowie der Versorgung unzähliger Nager machen. „Die Umbaumaßnahmen waren aufgrund des gestiegenen Platzbedarfs dringend notwendig“, so Lawo. Außerdem war das ehemalige Kleintierhaus, das ursprünglich als Hundehaus geplant und genutzt wurde, nur bedingt für die Unterbringung von Kleintieren geeignet. Vieles musste provisorisch gelöst werden. Warum die Zahl der Kleintiere in Tierheimen immer mehr zunimmt, begründet Lawo damit, dass in jedem Bau- und Gartenmarkt Kleintiere zu bekommen sind. Das Problem bei der dortigen Vermittlung ist oftmals die mangelnde Fachkompetenz des Personals. Immer wieder werden Tiere beider Geschlechter unwissentlich gemeinsam verkauft. So kommt es dann in vielen Haushalten zu  unkontrollierter und ungewollter Vermehrung. Auch der Verkauf bereits trächtiger Tiere ist nicht selten. Im Tierheim werden die Tiere nach ärztlicher Untersuchung kastriert, um so einer späteren Vermehrung vorzubeugen. Die Tierpfleger legen dabei auch großen Wert auf eine artgerechte Unterbringung außerhalb der monotonen Käfighaltung, wie sie leider in vielen Haushalten vorzufinden ist.
Erster Vorsitzender Tierschutzverein Reutlingen Herbert Lawo, Staatssekretärin und Mitglied des Landtags der CSU in Bayern Melanie Huml, Staatssekretär Dieter Hillebrand, zweite Vorsitzende Tierschutzverein Reutlingen Erika Schwarz (von links) beim Besichtigen der Hundeausläufe.
Besondere Zustimmung durch Staatssekretärin Huml erhielten die Tierheimleute für die im Tierheim - wo immer möglich - praktizierte Gruppenhaltung der Tiere.
Auch bei den Hunden gibt es eine kontrollierte Rudelhaltung, was für die Sozialisierung der Tiere von Vorteil ist.
 
Auf die Frage, ob tendenziell der Tierbestand vor allem in den Sommermonaten zunehme, bestätigte Lawo ein Ansteigen in dieser Zeit. Ob es sich jedoch um ausgesetzte oder entlaufene Tiere handelt, lasse sich nicht immer nachvollziehen. Es lässt sich höchstens aus der Auffindesituation erschließen oder daraus, ob Besitzer nach ihren Tieren fragen oder nicht. Leider gehören Misshandlungen und Tierleid immer wieder zum Tierheimalltag dazu. So wurde im vergangenen Herbst beispielsweise eine Katze gefunden, die auf bestialische Art und Weise verstümmelt wurde. Oder es werden Tiere abgegeben, die nur noch aus Haut und Knochen bestehen. Soviel Elend verlangt dem Pflegepersonal hohen Einsatz ab. Bei den schlechten oder gar tierquälerischen Tierhaltungen ist die Dunkelziffer wohl enorm hoch, so Lawo. In vielen Kinderzimmern oder Kellern vegetieren Tiere vor sich hin, weil viele den Schritt nicht wagen, ihr Tier im Tierheim abzugeben, wenn eine Versorgung oder artgerechte Unterbringung nicht mehr möglich ist.
 
Besonders die Hundehäuser geben zurzeit Anlass zur Sorge. Zwei der betroffenen Objekte sind in einem maroden Zustand. Kein Wunder, schließlich sind Teile der Tierheimanlage schon über 40 Jahre alt. Eine Sanierung bzw. vollständiger Neubau ist hier unumgänglich. Damit kommen hohe Kosten auf das Tierheim zu. Staatssekretär Hillebrand wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Land für die Jahre 2010 und 2011 ein Programm aufgelegt hatte, das Zuschüsse zu notwendigen Sanierungen gewährte, sofern sich die von den Tierheimen profitierenden Kommunen ebenfalls an den Sanierungskosten beteiligten. Der Landestierschutzverband ist derzeit mit allen Parteien im Gespräch, damit diese Sanierungshilfen auch weiterhin gewährt werden. Ein Tierheim ist allein nicht in der Lage, die Sanierungskosten zu stemmen.
Beeindruckt zeigten sich die beiden Politiker von dem Gelände und den dadurch gegebenen Möglichkeiten für Hundeausläufe; auch lobten sie den hygienischen Zustand im Tierheim.
Hund „Floh“ genoss die Streicheleinheiten des hochrangigen Besuches.

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