Tierquälerei als Weltsensation
 
Hurra - ein Zirkus ist in der Stadt? In Metzingen zeigt der Zirkus Alberti eine so genannte Weltsensation: „Big Grizzly“. Leider gehören noch immer Bären, Elefanten und Löwen für viele Menschen in der Manege einfach dazu. Dass Wildtiere aber unter den Bedingungen eines reisenden Zirkusunternehmens nicht artgerecht gehalten werden können, liegt auf der Hand. Das Mitführen von großen Bären ist für Tierschützer besonders verwerflich.
 
Im Zirkus werden leider immer noch Wildtiere gehalten. Auch Bären fristen ihr Zirkusleben in Käfigwagen oder in kleinen Gehegen, weit entfernt von dem, was man  artgerecht bezeichnet. In der Natur ist der Bär Herrscher über Hunderte von Quadratkilometer, meist in der Dämmerung oder in der Nacht aktiv, auf der Suche nach Futter streift er durch Wiesen und Wasser, klettert über Felsen und Hänge. Im Winter zieht er sich mehrere Monate an einen Ruheplatz zurück. Im Zirkus dagegen hat er oft nicht die 75 Quadratmeter zur Verfügung, die ihm laut Zirkusleitlinie zustehen. Die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“ formulieren lediglich Mindestanforderungen, die von namhaften Sachverständigen als inakzeptabel gewertet werden.
 
Doch selbst diese Mindestanforderungen werden oft nicht erfüllt, da der Zirkus durch das ständige Reisen nur kurz an einem Ort verweilt und so den amtstierärztlichen Vollzugsmaßnahmen entgeht. Beschäftigt werden die Tiere nur wenige Minuten während des Auftritts in der Manege, auf ihre nachtaktiven Bedürfnisse und auf ihre Winterruhe wird keinerlei Rücksicht genommen. Durch ständige Ortswechsel, lange Transportzeiten und Lärm sind Wildtiere zudem großem Stress ausgesetzt. Die Folgen für die Bären und andere Wildtiere sind fatal: Massive Gesundheitsschäden, schwere Verhaltensstörungen und erhöhte Sterblichkeit. Aktuelle Vorfälle wie die Tötung eines Bären beim Circus Universal Renz oder gerichtlich bestätigte Haltungsdefizite im Zirkus Krone zeigen nur einen kleinen Teil des Elends.
 
Nach geltendem Tierschutzrecht ist die Haltung von Tieren im Zirkus nur erlaubt, wenn sie art- und verhaltensgerecht untergebracht werden können. „Verhaltensgerecht ist eine Unterbringung nur dann, wenn sie sich … soweit wie möglich an die natürlichen Lebensverhältnisse und Lebensräume der jeweiligen Art annähert.“ Und im Umkehrschluss: „Verhaltensgerecht ist eine Unterbringung … nicht, wenn das Tier zwar unter den ihm angebotenen Bedingungen überleben kann und auch keine Leiden, Schmerzen oder Schäden davonträgt, das Tier aber seine angeborenen Verhaltensmuster soweit ändern und an seine Haltungsbedingungen anpassen muss, dass es praktisch mit seinen wildlebenden Artgenossen nicht mehr viel gemeinsam hat.“ (OVG Schleswig 1994)
 
„Tatsache ist, dass eine artgemäße und verhaltensgerechte Unterbringung von Wildtieren, insbesondere auch Großbären in Zirkusbetrieben nicht möglich ist“, betont Herbert Lawo, Vorsitzender des Tierschutzvereins Reutlingen und des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg. Zu diesem Schluss kommt auch das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, das in Hessen für den Tierschutz zuständig ist: „Es handelt sich also bei der Auffassung, dass Bären im Zirkus nicht gehalten werden können, ganz und gar nicht um eine „Singularmeinung“ sondern um eine unter seriösen Fachleuten weltweit verbreitete Fachauffassung.“
 
Vor diesem Hintergrund startete das Bundesland Hessen eine Bundesratsinitiative – mit zwei Zielen: Die Haltung von Großbären, Affen und Elefanten in Zirkusbetrieben sollte zukünftig verboten sein, zudem sollten die Zirkusbetriebe in einer Datenbank zentral erfasst werden. Die Forderung, ein Zirkusregister einzuführen, wurde inzwischen umgesetzt. Tierschützer erwarten, dass auch die Haltung insbesondere von Affen, Menschenaffen, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Giraffen und Robben in Zirkussen verboten wird. In Ländern wie Österreich, Dänemark, Schweden, England, Ungarn und Finnland wurden bereits Verbote oder starke Einschränkungen erlassen.
 
Der in Metzingen gastierende Zirkus Alberti war in der Vergangenheit wiederholt mit Vorwürfen aus Tierschutzkreisen konfrontiert, weil nicht einmal die Haltungsvorgaben der Zirkusleitlinie eingehalten worden seien. Zeitungsberichten zufolge verhielt sich das Zirkuspersonal gegenüber Kritikern wenig zimperlich.
 
Aus der Sicht des Tierschutzes darf die Haltung und das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen nicht unterstützt werden. Der Tierschutzverein Reutlingen appelliert deshalb an die Stadtverwaltung in Metzingen, die Auftrittserlaubnis zu überprüfen. Ebenso fordert er alle Städte und Kommunen des Kreises auf, solchen Unternehmen kein Forum zur Verfügung zu stellen.

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