Schluss mit Tierversuchen
 
Kampagne gegen Affenversuche in Tübinger Laboren
 
Etwa 500 Tierschützer aus unterschiedlichen Gruppierungen protestierten am vergangenen Samstag (18.04.) mit einer Demo durch die Tübinger Innenstadt gegen Affenversuche an drei wissenschaftlichen Instituten*. Während der anschließenden Kundgebung forderten Vertreter der beteiligten Organisationen ein Ende der Tierversuche und die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden. Initiatoren der Kampagne anlässlich des Internationalen Tages zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April 2009 waren die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche  zusammen mit AntiSpe Tübingen, Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg und animal 2000.
 
Sie werden verätzt, vergiftet, verbrüht und verstümmelt und leiden, bevor sie sterben. Sie sterben für die Erprobung von Arzneimitteln, unter den Händen angehender Ärzte und um die Neugier von Forschern zu befriedigen.  Allein in Deutschland waren es im Jahr 2007 laut Statistik des Ministeriums für  Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2,6 Millionen Tiere, die im Namen der Wissenschaft gequält und getötet wurden. Auch in Tübingen. „An drei Tübinger Instituten werden abstruse Versuche an Rhesusaffen durchgeführt“, sagte Silke Bitz am vergangenen Samstag in Tübingen. Die Diplombiologin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“, der zu dieser Kampagne aufgerufen hatte. „Diese grausamen Experimente sind ethisch untragbar“, erklärte Bitz.

 
„Stoppt die Affenqual in Tübingen“ hieß das Motto der anschließenden Demo, bei der etwa 500 Tierversuchsgegner aus unterschiedlichen Gruppierungen  mit Transparenten, Trommeln und Trillerpfeifen und bei strömendem Regen durch die Tübinger Innenstadt zogen und lautstark gegen die Tierquälerei in den Laboren protestierten. Zurück auf dem Marktplatz forderten Vertreter der 15 beteiligten Vereine und Organisationen in Redebeiträgen den Stopp der Affenversuche und die Entwicklung tierversuchsfreier Forschungsmethoden. „Tiere werden rücksichtslos ausgebeutet“, erklärte Bernhard Rambeck, Vorstandsmitglied bei „Ärzte gegen Tierversuche“. Dabei könnten die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen werden, da Tiere und Menschen viel zu unterschiedlich seien. In vielen Bereichen werde bereits alternativ mit Zellkulturen, Mikroorganismen etc., den so genannten In-vitro-Systemen, gearbeitet. „Diese modernen Verfahren übertreffen die Tierversuche in ihrer Aussagekraft bei weitem“, erläuterte Rambeck.
 
Herbert Lawo vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg beschrieb die Grausamkeit der Laborversuche an den Tübinger Instituten. „Die Qual der Tiere kann Jahre dauern, der Nutzen für kranke Menschen ist gleich Null. Über einem Loch im Schädel werden den Rhesusaffen eine Kammer für Elektroden sowie ein Metallbolzen auf dem Kopf implantiert. Die Tiere müssen jeden Tag mehrere Stunden sitzen und Punkte und Zahlen auf einem Bildschirm erkennen. Ihr Kopf ist dabei mit dem Bolzen unbeweglich an ein Gestell geschraubt. Gleichzeitig werden über die Elektroden Hirnströme gemessen. Lässt der Affe einen gedrückten Hebel im richtigen Moment los, erhält er über einen Schlauch im Mund etwas Saft. Außerhalb der Experimente gibt es nichts zu trinken. Für einen Tropfen Saft tun die durstigen Affen alles, was von ihnen verlangt wird. „Die  Freiheit der Forschung darf kein Freibrief für Tierquälerei sein“, erklärte Lawo. Er erinnerte an Mahatma Gandhi, dem ein Zitat zugeschrieben wird, wonach der Charakter einer Gesellschaft auch daran zu erkennen ist, wie sie mit ihren Tieren umgeht. Für Lawo sind Tierversuche „eine charakterlose Auswucherung dieser Gesellschaft.Auch der Erhalt von Arbeitsplätzen rechtfertigte keine Tierquälerei, so der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes. Er forderte, Forschungsgelder, die aus Steuern und Krankenkassenbeiträgen bereitgestellt werden, sinnvoll zu verwenden und sie beispielsweise in die Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden oder die Verbesserung des behördlichen Tierschutzes zu investieren.
 
Für ein Forschungsprogramm, das Alternativen zu Tierversuchen entwickeln soll, setzt sich auch Renate Rastätter von Bündnis 90 Die Grünen ein. „Wir wollen Tierversuche schrittweise unnötig machen“, sagte die Grünenpolitikern. Sie wolle die Grundlagenentwicklung nicht verteufeln, aber es gebe Methoden, die effektiver seien als Tierversuche. Rastätter sieht die Forschung in der Pflicht, sich an ihre ethischen Grundsätze zu erinnern.
 
Andreas Item, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner (AG STG) erinnerte daran, neben der sinnlosen Grausamkeit auch an die Erfolge zu denken, die durch Aktionen wie diese bereits erzielt wurden. So zwangen massive Proteste die Industrie, neue Testverfahren zu entwickeln. Andererseits habe der „Tierverbrauch“ an den Schweizer Universitäten zugenommen. „Die universitäre Tierversuchslogik dient ausschließlich dem Selbstzweck, nach dem therapeutischen Nutzen wird erst gar nicht gefragt“, so Item.
Welche Probleme Affen haben, wenn sie das Labor überleben und sich in einem Affenpark wieder in eine Gruppe einleben sollen, beschrieb Michael Hartl von ethik-portal.de.
 
„Bei gutem Wetter wären sicher noch mehr gekommen“, sagte Corina Gericke zum Abschluss der Veranstaltung. Die Tierärztin ist Fachreferentin bei Ärzte gegen Tierversuche und freute sich besonders, dass neben der hohen Zahl auch verschiedene Gruppierungen aus 15 Vereinen ihre Stände aufgebaut hatten.
 
Die drei Institute in Tübingen:
Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen;
Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen;
Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen

Zurück