Richtiges Verhalten bei gefundenen Wildtieren und Jungvögeln

 

Immer wieder kommen in Tierheimen Anrufe von besorgten Bürgern, die ein angefahrenes Wildtier auf der Strasse finden und nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Auch die Zahl von besorgten Tierfreunden, die hilflose Jungvögel gefunden haben und der Meinung sind, diese benötigen dringend Hilfe, nimmt in den letzten Wochen wieder zu. Wie verhalte ich mich richtig und an wen kann ich mich wenden?

 

Ein Wildtier wurde angefahren

Ein Wildtier, ob Fuchs, Reh, Wildschwein oder Dachs, das angefahren wurde, darf auf keinen Fall unversorgt am Straßenrand zurückgelassen werden. Wildtiere sind in den allermeisten Fällen so schwer verletzt, dass sie an ihren Verletzungen sterben oder erlöst werden müssen. Es besteht die gesetzliche Verpflichtung, bei einem Wildschaden vor Ort die Polizei zu informieren.

Aber auch der Fund einer streng geschützten Wildtierart wie Wildschwein, Fuchs, Hase, Reh oder ein anderes dem Jagdrecht unterliegendes Tier, müssen an die Jagdbehörde oder den zuständigen Jagdpächter weitergeleitet werden. Die Polizei oder der örtliche Tierschutzverein können Auskunft über die jeweiligen Telefonnummern der zuständigen Kreisjägervereinigung geben.

 

Ein Jungvogel ist aus dem Nest gefallen

Wer einen jungen Vogel findet, sollte ihn am besten ganz in Ruhe lassen. Nur wenn es notwendig erscheint, weil das Tier beispielsweise direkt am Rand einer befahrenen Strasse sitzt, sollte man das Tier an einen möglichst nahe gelegenen, geschützten Ort umsetzen. Vorschnelle Hilfsaktionen schaden den Jungtieren oft mehr als es ihnen nützt. Nur verletzte, deutlich geschwächte oder von ihren Eltern unversorgte, noch nicht selbständige Jungtiere brauchen wirklich Hilfe.

Birgit Jahn, Vorsitzende des Tierschutzvereins Reutlingen rät deshalb: „Wer einen jungen Vogel außerhalb eines Nestes antrifft, sollte zunächst nachsehen, ob das zugehörige Nest in der näheren Umgebung zu finden ist. Der Vogel kann dann dorthin zurückgesetzt werden; andernfalls bringt man ihn aus der Gefahrenzone von Fahrzeugen, Katzen und Fußgängern, z.B. in ein nahe gelegenes Gebüsch und lässt ihn dort in Ruhe.“

Oft schaden wohlmeinende Helfer durch ihre Rettungsaktion allerdings mehr als dass sie helfen, denn in vielen Fällen werden Jungtiere von ihren Müttern viele Stunden alleine gelassen. Junge Vögel, die mit nach Hause genommen werden, haben meist schlechtere Überlebenschancen als in der Natur. Vielfach scheitert eine Aufzucht schon an der notwendigen Kenntnis, welche Nahrung dem Jungvogel gegeben werden soll.

„Nur bei offensichtlich geschwächten, kranken, ausgehungerten, unterkühlten oder völlig durchnässten Jungtieren bzw. wenn sich tatsächlich kein Elterntier um die Kleinen kümmert, ist es angebracht, die Tiere in menschliche Obhut zu nehmen,“ stellt Jahn noch einmal klar. „Wer sich unsicher ist, kann auch gerne vorab im Tierheim anrufen und dort Rat einholen. Erkennbar verletzte Tiere müssen allerdings schnellstmöglich versorgt werden und sollten deshalb ohne Umweg zum nächsten Tierarzt gebracht werden.“


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