Zirkus ja – aber ohne Tiere!
 
Reutlinger Tierschutzverein demonstriert gegen die Haltung von Tieren wild lebender Arten im Circus Universal Renz
 
Der Bär ist ein Raubtier. Der Einzelgänger ist am liebsten in der Dämmerung oder nachts aktiv. Zum Schlafen zieht er sich gern in Höhlen zurück oder sucht hohle Baumstämme oder Erdgruben auf. Im Spätsommer und Herbst frisst er sich einen Fettvorrat an, um während der  kalten Monate Winterruhe halten zu können. Die drei Bären, die der Circus Universal Renz mit sich führt, leben nicht allein, sondern immer in Gesellschaft der anderen, ein Zirkuswagen ist ihre „Höhle“. Winterruhe gibt es nicht, die Bären werden von Ort zu Ort gefahren, treten im Zirkus auf. Mit ihnen sibirische Tiger, Alligatoren, Krokodile, Kamele, Pferde, Lamas, Alpakas, Esel, Hunde, Ziegen, Enten, Zebra und Elefant. Zuletzt in Reutlingen.

 
Wir wollten nicht einfach hinnehmen, wie Tiere gewaltsam zu unnatürlichem Verhalten gezwungen werden. Deshalb nahmen wir das Gastspiel des Circus Universal Renz zum Anlass, auf das Leid der Tiere hinter den Kulissen hinzuweisen. Insgesamt zehn Tierschützerinnen des Tierschutzvereins Reutlingen versammelten sich vor dem Gelände Bösmannsäcker, verteilten Flugblätter zum Thema „Tierhaltung im Zirkus“ und demonstrierten mit Schautafeln und Plakaten wie etwa „Zirkus ja – aber ohne Tiere“. Erschreckt hat uns die Menge der Menschen, darunter sehr viele Kinder, die sich wortlos an uns vorbei drückten und sich in die lange Schlange vor der Kasse einreihten. Doch wir hoffen, den einen oder anderen Zirkusbesucher zum Nachdenken angeregt zu haben.
 
Zuvor haben wir uns in einem offenen Brief an die Zirkusdirektion und an die örtliche Presse gewandt. Darin machen wir deutlich, dass wir die Haltung vor allem von Tieren wild lebender Arten in Zirkusbetrieben ablehnen. Auf seiner Homepage wirbt Circus Universal Renz damit, „hohe qualitative Standards erarbeitet zu haben, die die artgerechte Haltung aller Tiere im Zirkus gewährleisten“. Doch eine tierschutzgerechte Haltung und Unterbringung unter Zirkusbedingungen ist unseres Erachtens nicht möglich. Wildtiere haben im Gegensatz zu Haustieren keine entwicklungsgeschichtliche Anpassung an das Leben in der Obhut des Menschen durchlaufen. Daher stellen sie besonders hohe Ansprüche an Haltung und Unterbringung, die im Zirkusalltag nicht befriedigt werden können. Sogar in Zoos gelangt man zunehmend zu der Erkenntnis, dass dortige Unterbringungsmöglichkeiten sehr unzureichend sind und viel mehr Platz und besondere Gehegestrukturierungen erforderlich wären. Im üblichen Zirkusalltag können die Tiere nur für kurze Zeit am Tag in der Manege beschäftigt werden; ein ausreichender Ausgleich zu den oftmals beengten Tierunterkünften findet somit nicht statt. Während der häufigen Standortwechsel wird das Ausleben existenzieller Bedürfnisse der Tiere nahezu vollständig eingeschränkt.
 
Wir fordern deshalb, dass der Bundesratsentschluss von 2003 endlich umgesetzt  und damit die Haltung bestimmter Wildtierarten im Zirkus verboten wird. Wir bitten die Bevölkerung, keinen Zirkus mit Tierhaltung zu besuchen. Das sollte nicht schwer fallen, denn die Erfahrung zeigt, dass faszinierender Zirkus durchaus ohne (Wild)Tiernummern möglich ist.

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