Jungvögel im Frühling – nicht immer hilflos
 
Im 24-Stunden Notdienst des Reutlinger Tierheims gehen im Moment fast täglich Anrufe von besorgten Tierfreunden ein, die beim Spaziergang oder im Garten hilflose Jungvögel gefunden haben. Scheinbar verwaiste Jungvögel und junge Säugetiere sind oft gar nicht so verlassen und hilflos wie viele denken. Vorschnelle Hilfsaktionen schaden den Jungtieren oft mehr als es ihnen nützt.
 
Viele Jungvögel verlassen ihr Nest bereits bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist und wagen ihre ersten Flugversuche. Oft enden die ersten Ausflüge deshalb zunächst mit eher unfreiwilligen Bruchlandungen. Deshalb müssen sich die Jungvögel zwischen den einzelnen Flugetappen auch immer wieder erholen und können nicht gleich – wie eigentlich erwartet – wegfliegen, wenn Menschen sich nähern. Trotzdem werden die Flugschüler in der Regel dabei von den Elterntieren genau beobachtet, bewacht und auch weiterhin versorgt, auch ohne dass dies auf den ersten Blick gleich zu erkennen ist.
 
Birgit Jahn, Vorsitzende des Tierschutzvereins Reutlingen, freut sich über aufmerksame Tierfreunde, bittet aber auch um Verständnis. „Wer einen jungen Vogel außerhalb eines Nestes antrifft, bitte immer erst schauen, ob das zugehörige Nest in der näheren Umgebung ist. Der Vogel kann dann dorthin zurückgesetzt werden. Befindet er sich in der Gefahrenzone von Katzen, Fußgängern und Straßen, dann in ein Gebüsch in der Nähe setzen.“
 
„Wenn die Jungtiere offensichtlich geschwächt, krank, ausgehungert, unterkühlt oder völlig durchnässt sind und sich tatsächlich kein Elterntier um die Kleinen kümmert, dann ist Hilfe angesagt“, so die Vorsitzende des Tierschutzverein Reutlingen. Wer sich unsicher ist, kann auch gerne vorab im Tierheim anrufen und dort Rat einholen. Verletzte Tier müssen allerdings schnellstmöglich versorgt werden und sollten direkt zum nächsten Tierarzt gebracht werden.

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